Die Energiewende steht für die dauerhafte Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft mit Energie wie Strom und Wärme aus nachhaltig nutzbaren, erneuerbaren oder regenerativen Quellen. In Deutschland wird dieses Generationenprojekt mit hoher Priorität vorangetrieben, wobei die Steigerung der Energieeffizienz und der möglichst schnelle Ausbau erneuerbarer Energien im Mittelpunkt stehen. Ziel ist es, den Anteil fossiler Energieträger wie Erdöl, Erdgas, Kohle sowie den Kernenergieanteil am Energiemix in Deutschland zugunsten erneuerbarer Energien zu verringern.
Diese grundlegende Umstellung der Energieversorgung ist eine zentrale Voraussetzung dafür, Deutschland bis 2045 zu einem klimaneutralen Industrieland zu entwickeln. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, aus sicherheits- und wirtschaftspolitischen Gründen möglichst schnell unabhängig von Erdöl- und Erdgasimporten zu werden. Als rohstoffarmes Land musste die Bundesrepublik fossile Energieträger zu großen Teilen importieren, weshalb der rasche Umstieg auf erneuerbare Energien auch dazu dient, die damit einhergehenden Abhängigkeiten zu verringern und letztlich komplett abzubauen.
Die Säulen der Energiewende: Effizienz, Verbrauch und Ausbau
Die Strategie der Energiewende basiert auf drei zentralen Säulen: der Steigerung der Energieeffizienz, einer Senkung des Energieverbrauchs und dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, um die Nachfrage abzudecken. Die Bundesregierung hatte sich zum Ziel gesetzt, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu senken und bis 2050 zu halbieren. Maßnahmen zur Bewältigung umfassen die Ausschöpfung von Energieeinsparpotenzialen in Wirtschaft und Gesellschaft, beispielsweise durch eine verbesserte Wärmedämmung von Gebäuden.
Die Verbesserung der Energieeffizienz und der sukzessive Umbau der Energieversorgung auf regenerative Quellen sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Gleichzeitig muss der Ausbau der erneuerbaren Energien auch den erwarteten Anstieg des Strombedarfs abdecken, etwa durch eine höhere Elektromobilität.
Umfassende Transformation: Strom, Wärme und Verkehr im Fokus
Die Energiewende umfasst die drei zentralen Sektoren Strom, Wärme und Verkehr. Darüber hinaus beinhaltet sie die perspektivische Abkehr von fossilen Rohstoffen, die zur Herstellung von Gütern dienen. Im Stromsektor sollen statt aus Öl, Kohle, Gas oder Atomkraft die benötigten Mengen künftig vorwiegend aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse stammen. Bereits im Jahr 2030 sollen mindestens 80 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.
Für den Transportsektor soll der Anteil von Elektrofahrzeugen erhöht werden, um den Verbrauch fossiler Energie für den Individualverkehr zu reduzieren. Dies wird auch durch eine besondere Umweltprämie gefördert. Um die erzeugte elektrische Energie, beispielsweise aus Windenergieanlagen an den Küsten oder auf See, zu den Verbrauchern im Süden zu transportieren, soll das Stromnetz erneuert, ausgebaut und verbessert werden.
Der Wandel im Energiemix: Abschied von Fossilien und Atomkraft
Zu den erneuerbaren Energien, die im Zentrum der Transformation stehen, gehören insbesondere Energien aus Wind- und Wasserkraft, aus Erdwärme (Geothermie), aus Sonnenstrahlung (Solarenergie) sowie aus nachwachsenden Rohstoffen beziehungsweise Biomasse. Die Förderung regenerativer Energien begann in Deutschland bereits in den 1990er-Jahren und wurde im Jahr 2000 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fest verankert. Dieses Gesetz hat sich in Bezug auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien als sehr erfolgreich erwiesen und wurde weltweit als Vorbild angesehen.
Die Bundesregierung beschloss im Juni 2011, nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011, einen stufenweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022. Der Atomausstieg wurde gesetzlich geregelt, wonach die Betriebsgenehmigung für ältere Kernkraftwerke erlosch und der komplette Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 stattfinden sollte. Die letzten Kraftwerke sind 2023 vom Netz gegangen. Zudem wurde im Jahr 2020 ein Gesetz beschlossen, das festlegt, dass Deutschland spätestens 2038 aus der Kohleverstromung aussteigt, wobei die betroffenen Kohleregionen Hilfen für den notwendigen Strukturwandel erhalten.
Unabhängigkeit und Klimaneutralität: Die übergeordneten Ziele
Das Generationenprojekt Energiewende soll künftig eine saubere, bezahlbare und sichere Energieversorgung garantieren. Die übergeordnete Zielsetzung ist es, Deutschland bis 2045 zu einem klimaneutralen Industrieland zu entwickeln. Die Verringerung der Abhängigkeit von Erdöl- und Erdgasimporten ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie, da Deutschland als rohstoffarmes Land historisch stark auf diese Importe angewiesen war. Durch den Umstieg auf erneuerbare Energien sollen diese Abhängigkeiten abgebaut werden.
Regulatorischer Rahmen und Akteure der Transformation
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu garantierten Vergütungen für die Erzeuger. Dieses Gesetz, das im Jahr 2000 fest verankert wurde, hat maßgeblich zum Ausbau der Erneuerbaren Energien beigetragen. Die dadurch entstehenden Zusatzkosten wurden über die sogenannte EEG-Umlage an die Stromkunden weitergegeben. Um die Stromkunden bei den stark steigenden Energiekosten zu entlasten, schaffte die Bundesregierung die Umlage 2022 ab.
Dank staatlicher Förderung stammt heute bereits ein großer Teil des Stroms aus erneuerbaren Energien; im Jahr 2024 lag der Anteil bei rund 54 Prozent. Die Bundesregierung will den Ausbau weiter vorantreiben, was konkret den Bau neuer Windkraftanlagen an Land und auf See bedeutet. Akteure wie Agora Energiewende entwickeln wissenschaftlich fundierte und politisch umsetzbare Konzepte für einen erfolgreichen Weg zur Klimaneutralität. Der BUND setzt sich zudem für eine beschleunigte Energiewende in Bürgerhand ein und betont die Notwendigkeit einer saubereren, sichereren und erneuerbaren Energiewirtschaft.
Herausforderungen und nächste Schritte
Eine wesentliche Herausforderung der Energiewende besteht darin, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien auch den erwarteten Anstieg des Strombedarfs, beispielsweise durch eine stärkere Elektromobilität, abdecken muss. Zudem ist der Ausbau und die Verbesserung des Stromnetzes von entscheidender Bedeutung, um die an den Küsten oder auf See erzeugte elektrische Energie aus dem Norden zu den Verbrauchern im Süden transportieren zu können. Der notwendige Strukturwandel in den vom Kohleausstieg betroffenen Regionen erfordert ebenfalls umfassende Unterstützung und Hilfen.
Fazit
Die Energiewende in Deutschland ist ein umfassendes Transformationsprojekt, das auf die Umstellung der gesamten Energieversorgung auf nachhaltige und erneuerbare Quellen abzielt. Sie verfolgt die ambitionierten Ziele der Klimaneutralität bis 2045 sowie die Reduktion sicherheits- und wirtschaftspolitischer Abhängigkeiten von fossilen Energieimporten. Durch gesetzliche Regelungen wie das EEG, den Atomausstieg bis 2023 und den geplanten Kohleausstieg bis 2038 werden die Rahmenbedingungen für diesen Wandel geschaffen. Trotz der bereits erzielten Fortschritte, wie dem Anteil von rund 54 Prozent erneuerbarer Energien am Strommix im Jahr 2024, bleiben große Herausforderungen im Bereich des Netzausbaus und der Deckung des steigenden Energiebedarfs zu bewältigen. Die kontinuierliche Steigerung der Energieeffizienz und der konsequente Ausbau erneuerbarer Kapazitäten sind entscheidend für den Erfolg dieses Generationenprojekts.